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Frag die Jüngeren!

Über Geld spricht man nicht – man hat es. Oder eben nicht.

Den Spruch „Über Geld spricht man nicht, man hat es" kennt fast jeder! Eine typisch deutsche Haltung: In Amerika stellt zum Beispiel die alte Idee „vom Tellerwäscher zum Millionär" einen gesellschaftlichen Traum dar. In Schweden ist die persönliche Steuererklärung von jedem für jeden einsehbar. Hierzulande erklären hingegen gut zwei Drittel der Deutschen, dass sie über Geld nicht gerne sprechen. Durch die steigende Inflation haben allerdings zunehmend mehr Menschen Schwierigkeiten, über die Runden zu kommen. Nur wenn man darüber spricht, kann man Ideen austauschen und sich gegenseitig dabei helfen.

Viele junge Menschen, die auf der Schwelle zwischen Abhängigkeit von den Eltern und Eigenständigkeit stehen, müssen mit geringen finanziellen Mitteln auskommen. Die am stärksten von Armut bedrohte Altersgruppe in Deutschland sind junge Menschen zwischen 14 und 25 Jahren. Knapp ein Viertel von ihnen ist betroffen. Und dass sich das durch die aktuelle Inflation noch verstärken könnte, liegt auf der Hand.

Im Gespräch mit Nina, 20 Jahre alt, wird schnell deutlich, wie herausfordernd das sein kann. Nina studiert in Bochum, vom Kindergeld zahlen die Eltern ihre Miete. Staatliche Unterstützung bekommt sie nicht - sie hätte Anrecht auf 18€ BAföG im Monat, müsste dafür aber viel Papierkram erledigen und Auflagen erfüllen. „Ich geh lieber ein paarmal öfter in die Boulderhalle und verdiene Geld mit etwas, was mir Spaß macht!".

Und so geht sie auf 520€-Basis jobben, um sich das zu erarbeiten, was sie zum Leben braucht.

Oftmals reicht ihre Zeit aber nicht, um die Stunden für 520€ voll zu kriegen. Auch darauf hat Nina in ihrer Finanzplanung reagiert und nicht die ganze Summe einberechnet: Sie hat sich einen straffen Finanzplan gemacht und lebt von 4,80 € am Tag. Doch wie schafft Nina das mit Essen, Wohnen und Co.? Ein Trick, den sie gerne an andere Jugendliche und junge Erwachsene weitergeben will, ist das Foodsharing.

Hierfür nutzt Nina die App ,,Togoodtogo". 

Auch nimmt sie auf der Arbeit abgelaufene Sachen mit oder schaut in den „Fairteiler" bei der Altstadtschmiede. Einfache Ideen um Geld zu sparen, der Umwelt etwas Gutes zu tun und nicht nur seinen Geldbeutel, sondern auch die Lebensmittel zu retten. Mit diesen Tricks schafft es Nina, den Wocheneinkauf für ihren Freund und sich auf 30€ in der Woche zu minimieren.

Im Areopag machen wir uns Gedanken, wie wir unterstützen können. Wir bieten Getränke und Essen zum Beispiel zum Selbstkostenpreis an. Am 17.02. planen wir eine Kleidertauschparty.

Für jeden jungen Menschen in Not haben wir ein offenes Ohr und versuchen zu helfen. Natürlich ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn so viel Kreativität Jugendliche und junge Erwachsene beim Umgang mit wenig Geld auch entwickeln - am Ende ist es die Verantwortung der ganzen Gesellschaft, dafür zu sorgen, dass jeder das hat, was er zum Leben braucht. Matthias Grammann